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Schlaganfall Behandlung, Therapie und Rehabilitation

Was geschieht bei der Akutbehandlung nach einem Schlaganfall?

Behandlung nach Schlaganfall

Besteht der begründete Verdacht eines Schlaganfalls (siehe Symptome/Anzeichen und Ursachen eines Schlaganfalls) zählt jede Minute. Der Betroffene muss schnellstmöglich zur ärztlichen Behandlung in ein umliegendes Krankenhaus gebracht werden. Es ist von Vorteil, wenn das Krankenhaus über eine eigene „Stroke Unit“ – eine speziell auf die Behandlung von Schlaganfallpatienten ausgerichtete Abteilung – verfügt.

Damit eine gezielte Therapie erfolgen kann, muss herausgefunden werden, ob eine Minderdurchblutung oder Hirnblutung besteht. Dies geschieht meist durch bildgebende Verfahren, z.B. eine Computertomographie (CT) und/oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns.

Nach Vorliegen der Diagnose können u.a. folgende Behandlungsmethoden angewandt werden:

  • Bei einem Verschluss eines Gehirngefäßes durch ein Blutgerinnsel (Minderdurchblutung) wird häufig die medikamentöse Lysetherapie angewandt, um so das Gerinnsel aufzulösen. Eine weitere Möglichkeit ist die Thrombektomie, bei der das Blutgerinnsel über einen Katheter abgesaugt wird. Des Weiteren kann auch Acetylsalicylsäure verabreicht werden, um das Wachstum des Blutgerinnsels zu stoppen und somit auch dem Risiko eines weiteren Schlaganfalls vorzubeugen.

  • Bei einer Hirnblutung ist die Stillung der Blutung vorrangig. Ebenfalls muss meist der zu hohe Blutdruck durch Medikamente gesenkt werden. Ist eine größere Menge an Blut in das umliegende Gehirngewebe ausgetreten, kann eine operative Entfernung nötig sein.

Welche Behandlungsmethode bei einem Schlaganfall angewandt wird, ist je nach Diagnose und von 
Patient zu Patient verschieden. 

Auch angrenzende Hirnregionen (Penumbra) können betroffen sein. Wichtig ist eine frühestmögliche Verbesserung der Durchblutung, um den Schaden auch in den Grenzzonenbereichen zu minimieren – denn „time is brain“.  Ein Schlaganfallverdacht sollte grundsätzlich schnellstmöglich abgeklärt werden, damit sofort mit der gezielten Behandlung begonnen werden kann.


Therapie und Rehabilitation nach einem Schlaganfall

Folgen der durch die gestörte Blutversorgung verursachten Schädigungen im Gehirn sind häufig körperliche Beeinträchtigungen. Mithilfe unterschiedlicher Rehabilitationsmaßnahmen können beeinträchtigte Funktionen des Körpers zum Teil vollständig oder mit Einschränkungen wiederhergestellt werden. Durch strukturelle und funktionelle Veränderungen können nicht geschädigte Bereiche Aufgaben der geschädigten Gehirnareale übernehmen (Neuroplastizität).

Frührehabilitation – Langzeitrehabilitation

Je früher mit der entsprechenden Rehabilitation (= Wiederherstellung) begonnen wird, desto besser ist das für den Therapieerfolg. Deshalb sollte bereits im Krankenhaus mit der Frührehabilitation begonnen werden. Durch ein multidisziplinäres, abgestimmtes Therapeutenteam können mit dem Patienten schon früh aktivierende Maßnahmen in der Pflege, Übungen zur Steigerung der Bewegungsfähigkeit sowie Sprach- und Schluckübungen ausgeführt werden. Danach wird je nach Einschränkung entschieden, welche Rehabilitationsmaßnahmen regelmäßig und über einen längeren Zeitraum weitergeführt werden. Meist besteht der individuell abgestimmte Therapieplan aus vielen unterschiedlichen Therapieverfahren der verschiedenen Fachgebiete (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Biofeedback, Elektrotherapie, …). Heutzutage steht meist ein komplexer und umfassender Therapieansatz im Vordergrund. Wichtig ist, dass im Therapieverlauf realistische, erreichbare und klare Therapieziele gesetzt und diese regelmäßig angepasst werden. In der Therapie werden heute oftmals die Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) geübt, um wieder Schritt für Schritt in ein selbstständiges Leben zurückzufinden. Die Patienten werden aufgefordert, die Aufgaben aktiv mit hoher Intensität zu wiederholen. Die Übungen sollen so in den Alltag der Patienten integriert werden.  

Reha nach Schlaganfall
 

Ziel der Rehabilitation

Ziel der Rehabilitation ist die Rückkehr der Betroffenen zu einer möglichst unabhängigen, selbstständigen und selbstbestimmten Lebensweise. Dies beinhaltet die grundlegenden Aktivitäten des täglichen Lebens, aber auch die Teilnahme am sozialen und beruflichen Leben. 


Manchmal können aufgrund der Schwere des Schlaganfalls durch die Rehabilitation nur mehr die Pflegebedürftigkeit und die Beschwerden verringert werden. Der Betroffene ist oftmals auf Unterstützung im Alltag angewiesen. Dabei ist es wichtig, Barrieren zu erkennen und Wege zu finden, um diese zu überwinden und gegebenenfalls entsprechende Hilfsmittel oder weitere Therapiemaßnahmen einzusetzen. 

Motorisches Lernen

Beim motorischen Lernen sollen Bewegungskompetenzen und Aktivitäten, welche sich aus einzelnen koordinierten Bewegungen zusammensetzen, verändert oder nach Schädigung wieder neu erlernt werden. Entscheidend ist die aktive Mitarbeit und Motivation des Patienten.
Es handelt sich unter anderem um einen erfolgreichen motorischen Lernprozess, wenn beispielsweise nach einer Physiotherapie eine Verbesserung im Bewegungsablauf auch noch nach mehreren Tagen erkennbar ist. Die Patienten sollen in der Therapie hintereinander mehrere Aufgaben in ausreichender, sich steigernder Intensität und in sich änderndem Ablauf regelmäßig üben. Der Sinn dahinter ist, dass sich der Patient immer wieder neue Lösungen zur Ausführung der Bewegung sucht. Nach Durchführung der Bewegung wird vom Gehirn geprüft, ob das gewünschte Ziel erreicht wurde und danach als Erfahrung abgespeichert, um für die nächste gleichartige Aufgabe automatisiert zur Verfügung zu stehen. Durch ein positives Feedback nach Erreichen der Aufgabe kann der Therapieerfolg gesteigert werden.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es zur Rehabilitation nach Schlaganfall?

Es gibt u.a. folgende Therapiemöglichkeiten, die zu einer Verbesserung von motorischen Funktionsdefiziten und Aktivitäten beitragen können:

Physiotherapie

Der Physiotherapeut stellt aufgrund der bestehenden funktionellen Defizite und Fehlfunktionen einen individuell abgestimmten Therapieplan zusammen. Übungen zum Wiedererlernen von natürlichen Bewegungsabläufen oder alternativen Kompensationsstrategien auch unter Einsatz von Hilfsmitteln, Muskelaufbau sowie Übungen zur Ausdauersteigerung, Verbesserung des Gleichgewichts und zur Koordination, Körperwahrnehmung usw. werden regelmäßig durchgeführt. Des Weiteren sollen durch die Physiotherapie normale Bewegungsmuster erreicht werden, beispielsweise durch Verringerung der Spastizität (erhöhte Muskelanspannung). Ziel ist, die Beweglichkeit (Mobilität) der Patienten zu erhalten bzw. verbessern, um so die bestmögliche körperliche Selbstständigkeit wiederzuerlangen. Oftmals werden auch die Angehörigen in die Physiotherapie miteinbezogen.

Physiotherapie nach Schlaganfall
Ergotherapie nach Schlaganfall

Ergotherapie

Ergotherapeuten üben mit den Patienten den Umgang mit alltagsrelevanten Hilfsmitteln, um behinderungsbedingte Einschränkungen auszugleichen. Es werden motorisch-funktionelle Aktivitäten und praktische Aufgaben (z.B. Waschen, Anziehen, Einkaufen), welche die Eigenaktivität fördern sollen, trainiert.

Die Betroffenen sollen eine größtmögliche Selbstständigkeit im täglichen Leben wiedererlangen. Die Ergotherapeuten beraten auch die Angehörigen und geben diesen Anleitung und Hilfestellung zur Unterstützung des Betroffenen.

Logopädie

Sprech-, Sprachstörungen und Schluckstörungen können mithilfe eines Logopäden gezielt behandelt werden. Die Logopädie hilft dabei, die Kommunikationsfähigkeit, Sprachleistung, Deutlichkeit der Aussprache und selbstständige Nahrungsaufnahme der Betroffenen zu verbessern.

Ein weiterer Behandlungsschwerpunkt umfasst die Lähmung der Gesichtsmuskulatur (Fazialisparese). Die Therapie wird auf die individuellen Defizite abgestimmt. Die Angehörigen werden ebenfalls zum Umgang mit diesen Störungen aufgeklärt und beraten. 

Logopädie nach Schlaganfall
Biofeedback nach Schlaganfall

Biofeedback

Bewegungseinschränkungen können mittels Biofeedback therapiert werden. Durchgeführte Bewegungen werden von einem elektromedizinischen Gerät optisch und akustisch an den Betroffenen rückgemeldet. Der Nutzer nimmt seine Bewegungen bewusst wahr. Die Folge ist ein kognitives Wiedererlernen der Bewegung bzw. eine bewusste Entspannung der betroffenen Muskulatur bei Spastizität. Das symptomorientierte Biofeedback-Training, gegebenenfalls kombiniert mit einer muskelaktivitätsgesteuerten Elektrotherapie, ist ein effizientes Therapiemittel, welches die Therapie neurologischer Schädigungen sinnvoll ergänzt und vom Betroffenen rehabilitationsbegleitend oder im Anschluss an ein Rehabilitationsverfahren als kontrollierte Eigen- bzw. Heimtherapie genützt werden kann. 

Elektrotherapie

Die Elektrotherapie kann für die Rehabilitation nach einem Schlaganfall optimal als Ergänzung zur konventionellen Bewegungstherapie eingesetzt werden. Nach Abschluss der Akutbehandlung kann bereits stationär mit der Elektrotherapie in der Klinik begonnen werden. Danach sollte über einen längeren Zeitraum regelmäßig im Rahmen eines festgelegten Therapieplans ambulant/stationär therapiert werden. Nach Einweisung durch einen Arzt/Physiotherapeuten in die Anwendung des Elektrotherapiegerätes können manche Elektrotherapiegeräte von Patienten auch für die Heimtherapie gemietet werden (wie das STIWELL med4, siehe Vermietung STIWELL med4). Somit ist die Elektrotherapie in allen Phasen der Neurorehabilitation einsetzbar. Die Effektivität der Elektrotherapie wurde in mehreren Studien nachgewiesen.

Elektrotherapie nach Schlaganfall

Wie hilft Elektrotherapie nach einem Schlaganfall?

Durch einen Schlaganfall funktioniert die Signalweiterleitung vom Gehirn über das Rückenmark und die Nervenbahnen an den Muskel teilweise nicht mehr, da die dafür zuständigen Hirn-/Nervenzellen geschädigt oder abgestorben sind. Infolgedessen werden die betroffenen Muskeln gar nicht oder nicht mehr so häufig angeregt und die Muskelmasse nimmt ab (Muskelatrophie). Durch den Einsatz von Elektrotherapie soll dies verhindert werden. Die Elektrotherapie kann die schlaffe Muskulatur zu Beginn der Therapie aufbauen und hilft dabei, Bewegungsabläufe mit Unterstützung von Elektrostimulation und Biofeedback wieder zu erlernen. Für den Therapieerfolg sollten gezielte, reproduzierbare Funktionen bei häufiger Wiederholung (Repetition) geübt werden.

Funktionelle Elektrostimulation (FES)

Mit der funktionellen Elektrostimulation sollen komplexe Bewegungen wiederhergestellt werden. Dies erfolgt durch die zeitlich gut koordinierte, aufeinanderfolgende Stimulation von Muskeln und Muskelgruppen, die zur Ausführung einer funktionellen Bewegung aktiviert werden müssen.

Der betroffene Muskel wird durch elektrische Stimulation der Nervenenden (Motorpoints) zur Kontraktion gebracht. Mittels auf der Haut aufgeklebter Elektroden wird ein elektrisches Feld erzeugt, welches das Nerven- und Muskelgewebe anregt – eine Kontraktion des Muskels ist die Folge. Durch die Interaktion mit dem Nervensystem erhält das Gehirn eine positive Rückmeldung über die erfolgte Bewegung. Nach regelmäßig wiederholter Anwendung ist es möglich, dass sich neue Kontaktstellen zwischen einigen Gehirnzellen bilden. Gesunde Gehirnareale können so teilweise die verlorenen gegangenen Aufgaben abgestorbener Zellen übernehmen (EMG-getriggert).

Aufgrund der gezielten Initialisierung und Kontrolle der Muskelbewegung kann die funktionelle Stimulation in Kombination mit physiotherapeutischen oder ergotherapeutischen Behandlungsmethoden dazu beitragen, das Therapieergebnis entscheidend zu verbessern. Zentral gelähmte Muskulatur ist über Elektrostimulation kurativ trainierbar. Bei inkompletten Querschnittslähmungen können Restfunktionen verbessert werden. Ferner kann die funktionelle Stimulation dazu beitragen, einen spastischen Muskel durch dessen Detonisierung zu entspannen. Mit dem STIWELL med4 Elektrotherapiegerät können verschiedene funktionelle Programme ausgeführt und durch unterschiedliche Einstellungen individuell an den Betroffenen angepasst werden.

Beispiele für die funktionelle Elektrostimulation sind folgende Bewegungsabläufe:
Hand zu Mund, Greifen/Loslassen, Hand öffnen/schließen, Arm strecken, Aufstehen, Behandlung einer Fußheberschwäche.

EMG-getriggerte Elektrostimulation

Zusätzlich zur Physio- und Ergotherapie kann die EMG-getriggerte Elektrostimulation als sinnvolle Therapiemaßnahme empfohlen werden. Dabei wird die Aktivität eines Muskels gemessen und ab einem gewissen Maß an Muskelaktivität (z.B. durch willkürliches Anspannen) erfolgt die Stimulation. Die EMG-getriggerte Elektrostimulation nach Schlaganfall dient zum einen der Steigerung der Willkürmotorik, zum anderen der Minderung von Spastiken (Muskeltonus wird reduziert) und führt somit insgesamt zu einer Verbesserung der Fähigkeiten des täglichen Lebens. Die EMG-getriggerte Elektrostimulation ermöglicht nach individueller Programmierung durch den Therapeuten die Förderung kontrollierter, zielgerichteter Handlungsabläufe des Patienten.

Rehabilitation nach Schlaganfall

Die Rehabilitation ist ein wichtiger Schritt, um nach einem Schlaganfall wieder ins normale Leben zurückzufinden.
Die Therapiemaßnahmen sollten so früh wie möglich beginnen und ein auf den Betroffenen individuell abgestimmtes Rehabilitationsprogramm bestehend aus mehreren Therapieverfahren zusammengestellt werden. Die regelmäßige Anwendung der unterschiedlichen Maßnahmen und die Unterstützung von Angehörigen und Pflegepersonen tragen zum Therapieerfolg bei.

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.