Spastik

Spastik bezeichnet eine Erhöhung der Muskelspannung bei einer schnellen Dehnung des Muskels. Sie tritt aufgrund einer zentralen Schädigung (1. Motoneuron), z.B. nach einem Schlaganfall, auf.

Was ist eine Spastik, welche Behandlungs- bzw. Therapiemethoden gibt es? Definition, Formen und Ursachen im Überblick…

Was ist eine Spastik?

Spastik, auch bekannt als Spasmus oder Spastizität, leitet sich vom griechischen Wort „Spasmos“ ab und bedeutet Krampf. Hierbei ist aber nicht ein normaler Muskelkrampf gemeint, sondern eine krankhafte Erhöhung der Muskelspannung (spastische Tonuserhöhung). Das bedeutet, dass sich ein Tonusanstieg bei schneller passiver Bewegung und Dehnung des betreffenden Muskels zeigt. Eine passive Bewegung bezeichnet die Bewegung des Muskels durch den Untersucher, wobei der Betroffene den Muskel entspannt. Zumeist sind die Extremitäten, also Arme und Beine, von der Spastik betroffen.

Spastik ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Das bedeutet, dass sie aufgrund einer Schädigung des zentralen Nervensystems (ZNS) entsteht. Diese Schädigung kann im Gehirn oder Rückenmark auftreten.

Durch die Schädigung fehlen Signale, die die Muskeleigenreflexe hemmen. Fehlt diese Hemmung, kommt es nach einiger Zeit (Wochen bis Monate) zu einer übersteigerten Verbindung von Muskulatur und dem dazugehörigen Nerv im Rückenmarkssegment und in der Folge zu einer Spastik. Durch das mögliche Ausbleiben von Signalen des geschädigten ZNS, kommt es ebenfalls zu Lähmungen der Muskulatur, weshalb auch von einer spastischen Lähmung oder spastischen Parese gesprochen wird.

Im Gegensatz dazu steht die schlaffe Lähmung, die aufgrund einer Schädigung des peripheren Nervensystems (PNS) auftritt. Hierbei ist der Nerv zwischen Rückenmark und Muskel geschädigt, was zum Abbau der Muskelmasse, aber nicht zu einer Spastik führt (Parese / Plegie).


Ursachen einer Spastik

Ursächlich für eine Spastik ist eine Störung des 1. Motoneurons, also eine Schädigung des Gehirns oder Rückenmarks. Diese Schädigung kann durch verschiedenste Erkrankungen hervorgerufen werden:

Formen einer spastischen Lähmung

Je nach Form der spastischen Lähmung können Arme und/oder Beine betroffen sein. Gehhilfen können dabei den Alltag erleichtern.

Formen einer spastischen Lähmung

Spastik präsentiert sich unterschiedlich abhängig davon wo die Schädigung ist und wie groß sie ist. Ist das Gehirn oder Rückenmark stark geschädigt, ist die Spastik stärker ausgeprägt. Ist die Schädigung gering, ist es auch die Spastik. Je nachdem wo die Schädigung im Gehirn auftritt, sind eine oder mehrere Körperregionen betroffen. Daraus ergibt sich folgende Einteilung der spastischen Lähmung:

  • Spastische Monoparese
    Eine Extremität (Arm oder Bein) ist betroffen.
  • Spastische Paraparese
    Beide Beine sind betroffen, die Armfunktion ist dabei normal.
  • Spastische Hemiparese
    Eine Körperseite (Arm und Bein) ist betroffen. Die spastische Hemiparese kann sich arm- oder beinbetont zeigen.
  • Spastische Triparese
    Es handelt sich um eine Kombination aus Hemi- und Paraparese. Hierbei sind ein Arm und beide Beine betroffen.
  • Spastische Diparese
    Alle vier Extremitäten (Arme und Beine) sind betroffen. Dabei sind die Beine zumeist stärker betroffen als die Arme.
  • Beidseitige Hemiparese
    Alle vier Extremitäten (Arme und Beine) sind betroffen. Die Arme sind zumeist stärker betroffen als die Beine.
  • Spastische Tetraparese
    Hierbei handelt es sich um eine spastische Lähmung aller vier Extremitäten. Zusätzlich sind auch die Hals- und Rumpfmuskulatur betroffen, was zu einer gestörten Rumpf- und Kopfkontrolle führt.

 

Verlauf/Folgeschäden einer Spastik

Spastische Lähmungen können im Verlauf unterschiedlich schwere Folgen haben. Je nachdem wie stark die Spastik ausgeprägt ist und wie viele Extremitäten sie betrifft, kann es zu einer leicht beeinträchtigten Bewegungsfähigkeit oder sogar zu einer starken körperlichen Behinderung kommen.

Einschränkungen der Beinmotorik aufgrund von Spastik führen unter anderem zu Schwierigkeiten beim Gehen. Dadurch können Gehhilfen, wie Unterarmgehstützen oder ein Rollator oder manchmal sogar ein Rollstuhl, notwendig werden. Spastische Paresen der Arme führen häufig zu Einschränkungen der Grobmotorik, was die selbständige Bewältigung des Alltags und die Selbstversorgung (Anziehen, Waschen, Essen, Trinken, etc.) beeinträchtigt.

Die Spastik beeinflusst nicht nur die Muskulatur, sondern auch in weiterer Folge die Knochen, die Gelenke und das Bindegewebe. Daraus ergeben sich bei längerem Bestehen Deformitäten (Verformungen) und Fehlstellungen von Gelenken. Eine stark ausgeprägte Spastik verursacht Einschränkungen der Beweglichkeit und ist dadurch ebenfalls häufig die Ursache für Versteifungen (Kontrakturen) und Schmerzen einzelner betroffener Körperabschnitte.

 

Diagnose: Spastik

Zuerst erfolgt die Abklärung der Grunderkrankung, also jener Erkrankung, die ursächlich für die Spastik ist. Dazu können eine klinische Untersuchung, labordiagnostische oder bildgebende Verfahren, wie z.B. ein MRT (Magnetresonanztomographie), notwendig sein.

Des Weiteren wird das Ausmaß der Spastik mit Hilfe entsprechender Skalen evaluiert. Am gebräuchlichsten sind die modifizierte Ashworth-Skala und die (modifizierte) Tardieu Skala, wobei die Tardieu Skala zu bevorzugen ist. Letztere testet den Grad der Spastik anhand der Zunahme des Muskeltonus (Spannung) bei schneller passiver Bewegung im Vergleich zu vorangegangener langsamer passiver Bewegung. Beurteilt wird mit null bis vier Punkten, wobei null „keine Spastik“ bedeutet und vier das Auftreten eines unerschöpflichen Klonus (Zuckungen) durch starke Spastik.

Therapie & Rehabilitation bei Spastik

Therapie & Rehabilitation – Spastik lösen

Die funktionelle Elektrostimulation wird zur Steigerung der Beweglichkeit & Muskelkraft sowie zur Verbesserung von Alltagsaktivitäten eingesetzt.

Spastik kann durch spezielle tonussenkende Medikamente (Baclofen, Botulinumtoxin, etc.) in Form von lokalen Injektionen, in Tablettenform oder durch eine Pumpe behandelt werden. Eine ursächliche Therapie der Spastik ist leider nicht möglich. Im besten Fall ist die Grunderkrankung behandelbar. Weitere Möglichkeiten zur symptomatischen Behandlung sind Physiotherapie, Ergotherapie oder die gezielte funktionelle Elektrostimulation.

Physiotherapie & Ergotherapie

In der Therapie ist die Reduktion der Spastik und der adaptiven Phänomene (Versteifungen, etc.) vordergründig. Durch Dehnen (unter Gewichtsbelastung), Bindegewebstechniken und/oder Kräftigungsübungen soll der Spastik entgegengewirkt werden. Auch eine Anpassung spezieller Schienen, häufig in Kombination mit Botox-Injektionen, ist für viele Patienten äußerst gewinnbringend.

Funktionelle Elektrostimulation

Die funktionelle Elektrostimulation kann als eigenständige Therapie oder in Kombination mit Bewegungstherapie oder Botulinumtoxin-Injektionen zur Reduktion der Spastik eingesetzt werden. Die EMG-getriggerte Mehrkanal-Elektrostimulation dient zum Erhalt bzw. zur Verbesserung der Beweglichkeit, zur Kräftigung der Antagonisten (Gegenspieler der spastischen Muskeln) und zur Verbesserung der Funktionsfähigkeit der betroffenen Extremität(en).

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STIWELL Elektrotherapie

Medizinische Kontrolle:
Univ. Doz. Dr. Thomas Bochdansky, SFEBPMR
Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation


Artikel zuletzt aktualisiert:
Januar 2021 durch STIWELL/MED-EL

Univ. Doz. Dr. Thomas Bochdansky, SFEBPMR